Neujahrswünsche

Mit den folgenden Zeilen von Audre Lorde wünschen wir euch einen guten Ausklang dieses Jahres und einen schwungvollen Übergang und ermutigenden Start ins neue!
Möge es für alle leichter und unsere Blicke weiter werden – auch mit einem langen Atem!

«Es gibt viele Arten von Macht, genutzte und ungenutzte, erkannte oder unerkannte Macht. Erotik ist ein Potential, ein ‹Lebens-Mittel› in uns allen, das einer zutiefst weiblichen und spirituellen Ebene angehört und fest in der Macht unserer unausgesprochenen Gefühle wurzelt.

Jede Unterdrückung muss zum Zweck ihrer eigenen Aufrecht-erhaltung die Quellen der Macht in der Kultur der Unterdrückten vergiften oder zuschütten, aus denen Kraft zur Veränderung geschöpft werden könnte. Daraus folgt für Frauen die Unterdrückung der Erotik, da Erotik als Quelle von Macht und Wissen in unserem Leben angesehen wird.

Die Berührung mit der Macht der Erotik macht mich weniger willens, Ohnmacht oder jene anderen demütigenden und für mich unnatürlichen Zustände wie Resignation, Verzweiflung, Selbstrücknahme, Depression und Selbstverleugnung zu akzeptieren.

Und ja, es gibt eine Hierarchie. Es ist ein Unterschied, ob ich einen Zaun anstreiche oder ein Gedicht schreibe, aber nur ein quantitativer. Und für mich ist es kein Unterschied, ob ich ein gutes Gedicht schreibe oder eng umschlungen mit einer Frau, die ich liebe, in die Sonne gehe.»

Audre Lorde, Vom Nutzen der Erotik. In: Schultz, Dagmar (Hrsgin): Macht und Sinnlichkeit. Ausgewählte Text von Audre Lorde und Adrienne Rich. Berlin 1983, 1. Auflage

«There are many kinds of power, used and unused, acknowledged or otherwise. The erotic is a resource within each of us that lies in a deeply female and spiritual plane, firmly rooted in the power of our unexpressed or unrecognized feeling. In order to perpetuate itself, every oppression must corrupt or distort those various sources of power within the culture of the oppressed that can provide energy for change. For women, this has meant a suppression of the erotic as a considered source of power and information within our lives.

In touch with the erotic, I become less willing to accept powerlessness, or those other supplied states of being which are not native to me, such as resignation, despair, self-effacement, depression, self-denial.

And yes, there is a hierarchy. There is a difference between painting a black fence and writing a poem, but only one of quantity. And there is, for me, no difference between writing a good poem and moving into sunlight against the body of a woman I love.»

Audre Lorde, The Uses of the Erotic (1978)

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